The Frankfurt Years Collection #MW7

Wenn Musiker einen Kreativschub haben, machen sie ein Doppelalbum. Der Berliner Autor Martin Wimmer bringt nun mit „The Frankfurt Years Collection #MW7“ eine Box mit gleich sieben (!) Büchern auf den Markt. Ein bayrischer Frauenroman, das weltweit erste Yoga-Musical, Essays zu US-amerikanischen Songwritern, kulturpolitische Texte, englischsprachige Songs, Gedichte auf Bayrisch und ein psychologischer Ratgeber zum Umgang mit Online-Shitstorms zeigen die verblüffende Bandbreite des Wimmerschen Schreibens.

Außerhalb Bayerns weithin bekannt geworden war 2016 Wimmer mit seinem vielbeachteten Buch „Ich bin der neue Hilmar und trauriger als Townes“. Wem in dieser „Supra-Scharlatanerie zwischen Südstaatenmystik und Schwabinger Bohème-Verkettung“, wie das Literaturhaus Frankfurt treffend formulierte, noch alles zu durcheinander ging, der findet hier nun in sich geschlossene Einzelwerke.

Doch keine Sorge: Das Persönliche, das Künstlerische und das Politische werden weiterhin auf höchstem sprachlichem Niveau und mit höchstem literarischem Anspruch verschmolzen. Die Lieben sind herzzerreißend, der Humor wadlbeißend, die Informationsdichte gewaltig, die politischen Analysen welthaltig. Auf dem Globus stecken seine Nadeln in Bayern, in Frankfurt und in Texas.

Wimmers einzigartiger Eklektizismus macht am meisten Spaß, wo das dann alles zusammenkommt, wie in der brillanten Frankfurter Hip-Hop-Adaption eines 70er-Jahre-Countrymusikalbums, die das Herzstück von „Hankfurt“ (12,99 Euro) bildet.

Seine als Songtexte getarnten Gedichte in englischer „Nobody Wants To Hear The Truth“ (7,99 Euro) wie in bayrischer Sprache „Aba i bleib dro“ (9,99 Euro) scheuen vor keiner emotionalen Nuance zurück, höllentiefschluchzend, zurliebebeglückt.

Dem Roman „Zwei Streifen Blau“ (12,99 Euro) merkt man an einigen Stellen an, dass er ein Jahrzehnt unveröffentlicht in der Schublade lag, was ihm aber nichts von der feministischen Eindringlichkeit nimmt.

„OM. Das Musical“ (9,99 Euro) ist dagegen ganz auf der Höhe der Yoga-Zeit, man wünscht den starken Charakteren und wirklich grandiosen Songs eine inspirierte Aufführung an einer Off-Bühne in Kreuzberg.

In den kulturpolitischen Texten von „Herr Bauke schmiert sich ein Brot“ (19,99 Euro) werden alle Freunde einer sozial-ökologischer Transformation die helle Freude haben, das konservative Feuilleton wird weder die Gedankenspiele der Analysen und Appelle noch den Wortwitz der lyrischen Essays goutieren können.

Im Ratgeber „Überleben im Shitstorm“ (9,99 Euro) schließlich greift der Autor das Thema der Ich-Konstruktion in den Zeiten des Internet wieder auf, das schon Hilmar/Townes durchzog. Wer einem akuten Online-Angriff ausgesetzt ist, wird die kompromisslose Haltung „Rette dein Seelenheil“ schätzen, mit der Wimmer psychologische Aspekte in den Vordergrund stellt, ohne technische oder rechtliche Fragestellungen ganz außer Acht zu lassen.

Zu erwähnen ist noch die herausragende Gestaltung der Cover durch den Leipziger Designer Nico Reszinski, dem das Wunder gelang, eine einheitliche Linie für die unterschiedlichen Genres durchzudeklinieren und trotzdem jedem Cover die passende Symbolik mitzugeben.

Man muss vielleicht nicht die ganze „The Frankfurt Years Collection #MW7“ im Schrank stehen haben, aber je nach persönlicher Interessenlage ist jedes Buch für sich nicht zuletzt wegen der sozialen Preise absolut empfehlenswert.